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Anandamayi Maআনন্দময়ী মা

Ihre Lehre

Aktualisiert am · Lesezeit etwa 3 Minuten

Anandamayi Ma hielt keine Vorträge und schrieb nichts auf. Trotzdem lässt sich aus Tausenden Gesprächen eine klare Grundlinie erkennen. Im Mittelpunkt steht ein einziger Gedanke: Der Mensch ist dazu da, sein wahres Selbst zu erkennen. Alles andere ordnet sich dem unter.

Der Kern: Selbsterkenntnis

Wenn Anandamayi Ma ihre Lehre in einem Satz zusammenfasste, dann ungefähr so: Die höchste Aufgabe jedes Menschen ist es, nach Selbstverwirklichung zu streben, alle anderen Pflichten kommen danach. Mit „Selbst“ meinte sie nicht die Persönlichkeit, sondern das, was in der indischen Philosophie ātman heißt: das Bewusstsein, das allem zugrunde liegt und das nach ihrer Überzeugung mit dem Göttlichen eins ist.

Das klingt nach Weltflucht, war aber nicht so gemeint. Sie verlangte von niemandem, Familie oder Beruf aufzugeben. Wohl aber erwartete sie, dass man das eigentliche Ziel nicht aus den Augen verliert. Ein Handeln, das die göttliche Natur des Menschen weckt, verdiene den Namen Handeln, so sagte sie sinngemäß. Der Rest sei Beschäftigung.

Viele Wege, ein Ziel

Am häufigsten zitiert wird ihre Offenheit gegenüber allen religiösen Wegen. Auf die Frage, welcher Weg der richtige sei, antwortete sie immer wieder in diesem Sinn: Wie könne man dem Unendlichen Grenzen setzen und behaupten, nur ein Weg führe zu ihm? Das Göttliche schenke sich jedem Menschen durch den Weg, der seiner Natur entspricht. Deshalb gebe es so viele Religionen und Richtungen.

Daraus folgte keine Beliebigkeit. Wer einen Weg gewählt hatte, sollte ihn mit voller Kraft gehen, sonst bleibe man im Gewohnten stecken. Häufiges Wechseln hielt sie für ein Ausweichen. Ihre eigene Haltung beschrieb sie mit dem Satz „Alle Wege sind meine Wege“, und zugleich sagte sie, sie habe keinen eigenen.

Briefmarke der indischen Post von 1987 mit dem Bild von Anandamayi Ma.
Briefmarke der indischen Post von 1987 mit dem Bild von Anandamayi Ma.
Foto: India Post, Government of India · GODL-India · Wikimedia Commons

„Dieser Körper“

Anandamayi Ma sprach von sich selten mit „ich“. Meist sagte sie „dieser Körper“ oder „dieses kleine Mädchen“. Für westliche Leser wirkt das zunächst seltsam. Es ist aber kein Spiel mit Bescheidenheit, sondern Ausdruck ihrer Sicht: Das Ich, das sich mit Körper und Lebensgeschichte gleichsetzt, hielt sie nicht für das eigentliche Selbst. Ihre bekannte Antwort an Paramahansa Yogananda, sie sei immer dieselbe gewesen, erzählt das Kapitel Begegnungen.

Kein Guru im üblichen Sinn

Obwohl Tausende sie als Lehrerin verehrten, lehnte Anandamayi Ma die Rolle des Gurus für sich ab. Förmliche Einweihungen gab sie nur selten. Sie stellte keine Regeln für Schüler auf und gründete keine Lehrlinie. Gleichzeitig nahm sie das Verhältnis von Lehrer und Schüler sehr ernst, wo es bestand. Wer einen Guru hatte, dem riet sie, ihm treu zu bleiben, auch wenn er zu ihr kam.

Freude und Leiden

Ihr Name verweist auf Freude, und viele Besucher beschrieben sie als heiter und verspielt. Sie lachte gern und forderte andere auf, ebenfalls zu lachen, wann immer sich die Gelegenheit bietet. Die Freude, um die es ihr ging, war aber keine Stimmung. Sie meinte damit den Zustand, der übrig bleibt, wenn man sich nicht mehr mit dem Wechsel von Glück und Unglück identifiziert. Leiden erklärte sie nicht weg. Sie sah darin oft einen Anstoß, sich dem Wesentlichen zuzuwenden.

Gleichheit und Dienst

Anandamayi Ma achtete in ihrem Umfeld streng auf rituelle Reinheit, wie es der Tradition entsprach. Trotzdem empfing sie Menschen aller Kasten und Religionen. In einer Zeit, in der religiöse Rituale für Frauen stark eingeschränkt waren, setzte sie sich dafür ein, dass auch Frauen die heilige Schnur erhalten konnten, eine Weihe, die zuvor Männern vorbehalten war. Den Dienst an Kranken und Armen betrachtete sie als Form der Gottesverehrung.

Wie man die Lehre lesen sollte

Weil fast alle Aussagen Antworten auf persönliche Fragen sind, widersprechen sie sich manchmal scheinbar. Einem ungeduldigen Menschen riet sie zur Gelassenheit, einem trägen zu mehr Einsatz. Sie selbst sagte dazu sinngemäß, jeder habe von seinem Standpunkt aus recht. Wer ihre Worte liest, tut daher gut daran, immer mitzufragen, wem sie gerade galten. Einige der bekanntesten Aussprüche und Gleichnisse stellt das Kapitel Aussprüche und Gleichnisse vor; wie die Lehre in den Alltag übersetzt wird, beschreibt Sadhana.

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