Wer war Anandamayi Ma?
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Anandamayi Ma war eine bengalische Frau ohne Schulbildung, ohne Weihen und ohne Schriften, die von Hunderttausenden als Heilige verehrt wurde. Wer sich mit ihr beschäftigt, stößt schnell auf Begriffe und Geschichten, die erst einmal fremd wirken. Diese Einführung ordnet das Wichtigste.
Eine kurze Antwort
Anandamayi Ma (1896–1982) war eine hinduistische Mystikerin aus Bengalen. Sie wurde als Nirmala Sundari in dem Dorf Kheora geboren, das heute in Bangladesch liegt, und verbrachte die zweite Hälfte ihres Lebens fast ununterbrochen auf Reisen durch Nordindien. Viele Menschen, die ihr begegneten, sahen in ihr eine Verkörperung des Göttlichen, manche ausdrücklich eine Erscheinung der Göttin. Sie selbst sprach von sich meist nur als „dieser Körper“.
Bemerkenswert ist sie aus mehreren Gründen. Sie war eine Frau in einer religiösen Welt, in der Lehrerinnen kaum anerkannt waren. Sie hatte keinen Guru, von dem sie eingeweiht worden wäre. Und sie lehrte keinen bestimmten Weg, sondern ermutigte jeden, den eigenen Weg mit Ernst zu gehen, ob als Hausfrau, Mönch, Gelehrter oder Politiker.
Was der Name bedeutet
Der Name Anandamayi ist kein Geburtsname, sondern ein Beiname. Er entstand Mitte der 1920er-Jahre in Dhaka. Ein früher Begleiter, Jyotish Chandra Ray, den alle nur Bhaiji nannten, schlug ihn vor, weil er sie fast immer in einem Zustand stiller Freude erlebte.
Das Sanskrit-Wort ānanda meint Freude im tiefen Sinn, eine Seligkeit, die nicht von äußeren Umständen abhängt. Die Endung -mayī bedeutet „bestehend aus“ oder „ganz erfüllt von“. Mā ist schlicht „Mutter“, die in Bengalen übliche respektvolle Anrede für eine verehrte Frau. Häufig steht davor noch Sri oder doppelt Sri Sri als Ehrentitel. In der Literatur finden Sie außerdem die Schreibweisen Anandamayee, Anandamoyi oder Ānandamayī.
Die wichtigsten Daten
Die Einzelheiten erzählt der Lebensweg in Daten. Wer die bengalischen Jahre genauer kennenlernen möchte, liest Die Jahre in Bengalen.
Warum sie bis heute verehrt wird
Anandamayi Ma hat keine Schule und kein System hinterlassen. Was bleibt, sind Erinnerungen an Begegnungen. Wer von ihr erzählt, beschreibt meist eine Mischung aus Kindlichkeit und Autorität: Sie lachte viel, spielte mit Kindern, sang und erzählte Geschichten, konnte aber auch sehr bestimmt sein, wenn jemand sich selbst etwas vormachte.
Dazu kommt ihre Offenheit. Hindus verschiedener Richtungen, Muslime, Christen, Sikhs und Buddhisten kamen zu ihr und wurden gleich behandelt. In ihrem Geburtsort Kheora, der überwiegend muslimisch ist, nennen die Menschen sie bis heute „unsere Ma“. Über dieses Thema geht es ausführlicher im Kapitel Ihre Lehre.
Nach ihrem Tod wurde ihr Körper nicht verbrannt, sondern so beigesetzt, wie es bei großen Heiligen üblich ist: im Hof des Ashrams von Kankhal, wo über dem Grab ein Schrein entstand. Dass die Grabstätte einer Frau in dieser Weise verehrt wird, war in Indien lange die Ausnahme. 1987 gab die indische Post eine Briefmarke mit ihrem Bild heraus.
Wie man sich ihr nähern kann
Es gibt zwei typische Missverständnisse. Das erste: Anandamayi Ma als Wundertäterin zu lesen. Wundergeschichten gibt es reichlich, aber sie selbst maß ihnen keine Bedeutung bei. Das zweite: sie als Philosophin zu lesen, die man mit Zitaten erschließen könnte. Ihre Antworten waren fast immer an eine bestimmte Person in einer bestimmten Lage gerichtet. Ein Satz, der dem einen half, konnte für den anderen ganz anders gemeint sein.
Ein guter Weg ist daher, zuerst das Leben kennenzulernen und dann die Gespräche zu lesen, mit dem Bewusstsein, dass sie übersetzt und von anderen aufgezeichnet sind. Wie das geschah, erklärt das Kapitel Satsang mit Ma.
Begriffe, die Ihnen begegnen werden
Bücher über Anandamayi Ma verwenden viele Wörter aus dem Sanskrit und dem Bengalischen, oft ohne Erklärung. Die häufigsten sind kheyāl (ihr spontaner innerer Impuls), līlā (Spiel), sādhanā (spirituelle Übung), kīrtan (gemeinsames Singen der Gottesnamen) und samādhi (tiefe Versenkung, aber auch Grabstätte). Eine Übersicht mit kurzen Erklärungen finden Sie unter Begriffe von A bis Z.
Wie diese Seite aufgebaut ist
Die Seite hat zwei Teile. Der erste folgt ihrem Leben: von den Jahren in Bengalen über die Begegnungen mit bekannten Zeitgenossen bis zu den Ashrams, die heute noch bestehen. Der zweite Teil beschreibt, was sie lehrte und wie diese Lehre im Alltag aussieht: Gottesname und Meditation, Kirtan, Hingabe und die tägliche Übung. Am Ende jedes Kapitels geht es zum nächsten weiter, Sie können die Seite also auch von vorn bis hinten lesen wie ein kleines Buch.
Weiterlesen
- Lebensweg in DatenVon der Geburt in Kheora 1896 bis zur Grabstätte in Kankhal: alle wichtigen Jahre im Überblick.
- Ihre LehreSelbsterkenntnis als eigentliche Aufgabe des Menschen und die Freiheit, den eigenen Weg zu gehen.
- Begriffe von A bis ZAshram, Bhava, Darshan, Kheyal, Lila, Samadhi: kurze Erklärungen zu den Wörtern, die immer wieder auftauchen.