Lebensweg in Daten
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Das Leben von Anandamayi Ma lässt sich grob in zwei Hälften teilen: 36 Jahre in Ostbengalen, dann fünfzig Jahre Wanderschaft durch Indien. Hier finden Sie die wichtigsten Daten in zeitlicher Folge, mit kurzen Erläuterungen.
Kindheit und Ehe (1896–1918)
- 1896Am 30. April (nach anderen Angaben am 1. Mai) kommt Nirmala Sundari in Kheora zur Welt, einem Dorf im damaligen Distrikt Tripura in Ostbengalen. Ihre Eltern, Bipin Bihari Bhattacharya und Mokshada Sundari Devi, stammen aus angesehenen Brahmanenfamilien, leben aber in bescheidenen Verhältnissen. Der Vater ist für seine Hingabe und seine Lieder bekannt.
- um 1900Nirmala besucht nur wenige Monate eine Dorfschule. Ihre Lehrer loben sie, doch der Schulweg ist weit und niemand kann sie begleiten.
- 1908Mit zwölf Jahren und zehn Monaten wird sie, wie damals auf dem Land üblich, verheiratet. Ihr Mann ist Ramani Mohan Chakrabarti aus Bikrampur. Sie lebt zunächst überwiegend bei der Familie seines Bruders.
- 1913/14Sie zieht zu ihrem Mann nach Astagram. Ein Nachbar namens Harakumar beginnt, sie „Ma“ zu nennen. Erstmals werden ihre ekstatischen Zustände öffentlich bemerkt.

Foto: MS Sakib · CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons
Die Zeit der Übungen (1918–1924)
- 1918Das Paar zieht nach Bajitpur. Beim Kirtan fällt Nirmala immer wieder in tiefe Versenkung. Nachts sitzt sie oft stundenlang in Meditation.
- 1922Im August vollzieht sie eine Selbsteinweihung. Am 1. Dezember weiht sie ihren Mann ein, der sie von da an als seine Lehrerin anerkennt. Sie nennt ihn Bholanath.
- 1918–1924Diese Jahre beschreibt sie später als sādhanā-līlā, ein „Spiel der Übung“: Sie durchläuft nacheinander die Praktiken vieler Traditionen, ohne Lehrer und ohne Plan.
Dhaka (1924–1932)
- 1924Bholanath wird Verwalter der Shahbag-Gärten, die dem Nawab von Dhaka gehören. Immer mehr Besucher kommen zu der jungen Frau im Garten. In diesen Jahren erhält sie den Namen Anandamayi Ma.
- 1926In Siddheshwari nahe Dhaka lässt sie einen verlassenen alten Kali-Tempel wieder in Gebrauch nehmen.
- 1929Am 2. Mai wird in Ramna, auf dem Gelände des Kali-Tempels, der erste Ashram für sie eröffnet.
- 1932Am 2. Juni verlässt sie Dhaka mit Bholanath und Bhaiji, ohne Ziel und ohne Rückkehrdatum.
Fünfzig Jahre unterwegs (1932–1982)
- 1932Sie lässt sich zunächst bei Dehradun in einem verlassenen Shiva-Tempel nieder. Schnell spricht sich herum, dass dort eine „bengalische Mutter“ lebt.
- 1930erKamala Nehru, die Frau des späteren Premierministers Jawaharlal Nehru, wird ihre Schülerin. 1937 pilgert sie von Almora aus zum Berg Kailash; Bhaiji stirbt bald nach dieser Reise im Himalaya. 1938 stirbt Bholanath an den Pocken.
- 1940erBegegnungen mit Mahatma Gandhi. Der Gelehrte Gopinath Kaviraj aus Varanasi gehört zu ihrem engsten Kreis.
- ab 1950In Varanasi entsteht der Hauptsitz des Shree Shree Anandamayee Sangha. Sie reist erneut nach Südindien und wird in großen Tempeln wie Srirangam empfangen.
- 1960er–1970erIndira Gandhi besucht sie mehrfach. Jährlich findet die Übungswoche Samyam Mahavrata statt.
- 1982Am 27. August stirbt Anandamayi Ma im Ashram von Kishenpur bei Dehradun. Zwei Tage später wird sie im Hof des Ashrams von Kankhal bei Haridwar beigesetzt.
Was die Daten nicht zeigen
Eine Zeittafel macht aus einem Leben eine Folge von Ereignissen. Bei Anandamayi Ma bleibt dabei das Wichtigste unsichtbar: Die meisten Menschen kamen nicht wegen eines Ereignisses zu ihr, sondern wegen ihrer Gegenwart. Berichte aus allen Jahrzehnten beschreiben dieselbe Erfahrung, nämlich das Gefühl, vollkommen gesehen und angenommen zu werden.
Auffällig ist auch, wie wenig sie selbst plante. Reisen, Ortswechsel, sogar die Gründung von Ashrams gingen auf ihren kheyāl zurück, einen inneren Impuls, den ihre Umgebung oft erst im Nachhinein verstand. Erst in den späten Jahren, als der Andrang groß wurde, organisierten ihre Begleiter die Reisen.
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Die bengalischen Jahre bis 1932 erzählt das Kapitel Die Jahre in Bengalen ausführlicher. Wer ihr auf dem Weg begegnete, steht unter Begegnungen. Die Orte, an denen ihre Ashrams bis heute bestehen, beschreibt Ashrams und Orte.