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Anandamayi Maআনন্দময়ী মা

Kirtan und Gottesname

Aktualisiert am · Lesezeit etwa 3 Minuten

Der gemeinsame Gesang der Gottesnamen begleitete Anandamayi Ma ihr ganzes Leben. Schon als junge Frau geriet sie beim Kirtan in tiefe Versenkung, und bis heute ist er in ihren Ashrams die wichtigste gemeinsame Übung.

Was Kirtan ist

Kīrtan heißt wörtlich „Erzählen, Preisen“. Gemeint ist das gemeinsame Singen von Gottesnamen und kurzen Versen, meist im Wechsel: Ein Vorsänger singt eine Zeile, die Gruppe antwortet. Saṅkīrtan betont das Gemeinschaftliche, das Singen vieler zusammen. In Bengalen ist diese Form seit Jahrhunderten tief verwurzelt, vor allem in der Bewegung, die auf den Heiligen Chaitanya (1486–1534) zurückgeht. Er zog mit singenden Gruppen durch die Straßen und machte den Gesang der Namen Krishnas zu einem Weg für alle, unabhängig von Kaste und Bildung.

Anandamayi Ma wuchs in dieser Tradition auf. Ihr Vater war für seine frommen Lieder bekannt, und im Dorf gehörte Kirtan zu jedem Fest.

Versenkung beim Gesang

Ende 1918 in Bajitpur zeigte sich zum ersten Mal deutlich, was der Kirtan bei ihr auslöste. Beim Hören der Lieder fiel sie zu Boden und war manchmal für Stunden nicht ansprechbar. Augenzeugen beschrieben, wie ihr Körper sich im Rhythmus der Musik bewegte, wie sie strahlte oder völlig erstarrte. Ihr Mann Bholanath war darüber zunächst besorgt.

In Dhaka wiederholten sich diese Zustände, oft vor großem Publikum. Für viele, die sie damals zum ersten Mal sahen, war das der Anlass, wiederzukommen. Später wurden solche äußeren Zeichen seltener. Sie selbst maß ihnen keine Bedeutung bei.

Astaprahar-Kirtan in Bangladesch zum Fest Dol Purnima: Gesang über acht „Wachen“, also einen ganzen Tag und eine Nacht.
Astaprahar-Kirtan in Bangladesch zum Fest Dol Purnima: Gesang über acht „Wachen“, also einen ganzen Tag und eine Nacht.
Foto: ArpitaTithi Roy · CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons

Wie ein Kirtan abläuft

Ein Kirtan in ihren Ashrams folgt keinem strengen Schema, hat aber typische Elemente:

  1. Anrufung. Am Anfang stehen meist einige Verse an Gott, den Guru oder die Göttin.
  2. Der Name. Ein kurzer Satz mit einem oder mehreren Gottesnamen wird immer wieder gesungen, zuerst langsam.
  3. Steigerung. Das Tempo zieht an, die Stimmen werden lauter, manche stehen auf und tanzen.
  4. Stille. Am Ende verklingt der Gesang, alle sitzen still. Für viele ist diese Stille der eigentliche Höhepunkt.

Begleitet wird der Gesang traditionell von der Trommel khol oder mṛdaṅga, kleinen Handzimbeln (kartāl) und oft einem Harmonium. Beim sogenannten Akhanda-Kirtan wird ohne Unterbrechung über viele Stunden oder Tage gesungen, wobei sich die Gruppen abwechseln.

Welche Namen gesungen werden

In Mas Umfeld wurden Namen aller großen Gottesformen gesungen: Krishna und Rama, Shiva, Durga und Kali, oft in einem einzigen Abend nebeneinander. Bekannt sind Zeilen wie „Hari bol“ („Sprich den Namen Haris“), „Om Namah Shivaya“ oder „Sita Ram“. Anandamayi Ma sang selbst gern; es gibt Tonaufnahmen, auf denen sie selbst vorsingt.

Warum gerade Singen?

Warum der gemeinsame Gesang in ihrem Umfeld so viel Gewicht hatte, lässt sich gut nachvollziehen. Er braucht keine Bildung und keine Vorkenntnisse. Er sammelt den zerstreuten Geist, weil Stimme, Atem und Aufmerksamkeit auf dasselbe gerichtet sind. Und er verbindet Menschen, die sonst wenig miteinander zu tun hätten. Das passte zu ihrer Art, keinen Unterschied nach Herkunft zu machen: Beim Kirtan saßen Gelehrte neben Hausangestellten.

Kirtan heute

In den Ashrams gibt es tägliche Kirtan-Zeiten, meist am Abend. Zu großen Festen wie Durga Puja, Janmashtami oder ihrem Geburtstag wird oft stundenlang gesungen. Auch außerhalb Indiens ist Kirtan heute verbreitet, nicht nur in Kreisen, die sich auf Anandamayi Ma beziehen. Viele Yogaschulen bieten Kirtan-Abende an, oft mit westlichen Melodien.

Wer selbst einsteigen möchte, braucht wenig: einen ruhigen Raum, einen Namen oder ein kurzes Mantra und die Bereitschaft, die eigene Stimme zu hören. Wie der Gesang mit der Haltung der Gottesliebe zusammenhängt, erklärt das nächste Kapitel, Bhakti: der Weg der Hingabe.

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