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Anandamayi Maআনন্দময়ী মা

Die Jahre in Bengalen

Aktualisiert am · Lesezeit etwa 4 Minuten

Bevor Anandamayi Ma in ganz Indien bekannt wurde, lebte sie 36 Jahre im Osten Bengalens, einer Gegend, die heute zu Bangladesch gehört. In dieser Zeit wurde aus dem stillen Mädchen Nirmala die Frau, zu der täglich Hunderte Menschen kamen.

Kindheit in Kheora

Kheora war um 1900 ein Dorf in einer ländlichen Gegend Ostbengalens, abseits der britischen Verwaltungszentren. Die Mehrheit der Bewohner war muslimisch, die Hindus bildeten eine Minderheit. Beide Gruppen lebten friedlich nebeneinander, aber in getrennten Welten. Nirmala wuchs in einer Brahmanenfamilie auf, die zwar angesehen, aber arm war. Ihr Vater galt als frommer Mann, der viel sang und sich wenig um weltliche Dinge kümmerte.

Die Eltern verloren nach Nirmala mehrere Söhne im Kleinkindalter. Auch deshalb blieb sie zu Hause, statt den weiten Weg zur Schule zu gehen. Verwandte erinnerten sich später an ein Kind, das fröhlich, gehorsam und auffallend still war, manchmal so in sich gekehrt, dass man es für einfältig hielt.

Eine Ehe, die anders war

Mit knapp dreizehn Jahren wurde Nirmala 1908 mit dem fünfzehn Jahre älteren Ramani Mohan Chakrabarti verheiratet. Solche frühen Ehen waren damals die Regel. Die ersten Jahre verbrachte sie größtenteils im Haushalt der Familie seines Bruders, wo sie schwer arbeiten musste und dabei, wie Zeitzeugen sagten, oft wie abwesend wirkte.

Als sie um 1913 zu ihrem Mann nach Astagram zog, wurde deutlich, dass diese Ehe nie ein gewöhnliches Familienleben werden würde. Nirmala geriet immer wieder in Zustände religiöser Ekstase. Nachbarn hielten sie für krank und benachrichtigten ihre Eltern. Ihr Mann aber stellte sich vor sie und erklärte, sie sei vollkommen gesund. Die Ehe blieb bis zu seinem Tod 1938 eine Verbindung ohne körperliche Beziehung.

Bajitpur: Übung ohne Lehrer

1918 zog das Paar nach Bajitpur, wo Ramani Mohan Arbeit gefunden hatte. Hier begann die Zeit, die Anandamayi Ma später sādhanā-līlā nannte, das „Spiel der spirituellen Übung“. Nacht für Nacht saß sie in Meditation. Der Gottesname, den sie innerlich wiederholte, ging nach ihren Worten von allein mit dem Atem. Ihr Körper nahm von selbst Yogahaltungen ein, ohne dass sie diese je gelernt hatte.

Besonders erzählt wird eine Nacht im August 1922. Nirmala, die nie einen Guru hatte, weihte sich selbst ein. Die Frage, wer einem Menschen ohne Lehrer die Einweihung geben könne, habe sich, so berichtete sie, auf diese Weise beantwortet: Wer sich ernsthaft danach sehnt, dem erscheint das Göttliche selbst in Form der Einweihung. Wenige Monate später weihte sie ihren Mann ein.

Ihre Biografen beschreiben für diese Jahre, dass sie die Übungen ganz verschiedener Traditionen durchlief, eine nach der anderen, und sie jeweils zu Ende führte. Sie selbst sagte, sie habe das nicht gesucht, es sei einfach geschehen. Später erklärte sie damit auch, warum sie keinen bestimmten Weg lehre: Sie habe sie alle von innen kennengelernt.

Dhaka und der Shahbag-Garten

1924 wurde Ramani Mohan nach Dhaka gerufen und bekam eine Stelle als Verwalter der Shahbag-Gärten, die dem Nawab von Dhaka gehörten. In diesem Garten wurde aus Nirmala die Frau, die man „Ma“ nannte. Zuerst kamen Nachbarn und Bekannte, dann Beamte, Lehrer, Studenten und Familien aus der ganzen Stadt. Manche baten um Heilung für Kranke, andere wollten einfach in ihrer Nähe sitzen.

Zu den ersten, die regelmäßig kamen, gehörte Jyotish Chandra Ray, ein Regierungsbeamter, den alle Bhaiji nannten. Er schlug vor, sie Anandamayi Ma zu nennen, und kümmerte sich um vieles, was ihre Umgebung organisatorisch brauchte. Auf sein Betreiben wurde 1929 in Ramna, auf dem Gelände des alten Kali-Tempels, der erste Ashram für sie eingeweiht.

Gelände des Ramna Kali Mandir mit Anandamayee-Ashram im Ramna-Park von Dhaka, 2015
Gelände des Ramna Kali Mandir mit Anandamayee-Ashram im Ramna-Park von Dhaka, 2015. Die alten Gebäude wurden im Krieg von 1971 zerstört; was heute steht, ist jünger.
Foto: Biswarup Ganguly · CC BY 3.0 · Wikimedia Commons

Der Aufbruch 1932

Am 2. Juni 1932 sagte Anandamayi Ma ihrem Mann, sie würden Dhaka verlassen, sofort und ohne Ziel. Bholanath fügte sich, Bhaiji ging mit. Für die Menschen in Dhaka kam das völlig überraschend. Die Reise endete nie: Bis zu ihrem Tod fünfzig Jahre später zog sie von Ort zu Ort, meist in Nordindien, und blieb selten länger als ein paar Wochen.

Nach Bengalen kehrte sie zwar noch gelegentlich zurück, doch der Schwerpunkt ihres Lebens lag fortan woanders. Die folgenden Stationen beschreibt der Lebensweg in Daten. Wie der gemeinsame Gesang der Gottesnamen schon in Bajitpur ihre Versenkungen auslöste, erzählt das Kapitel Kirtan und Gottesname.

Was von diesen Jahren bleibt

In Kheora erinnert heute ein Ashram mit einer Schule an ihre Geburt. In Dhaka steht der wiederaufgebaute Ashram in Ramna. Wichtiger als die Orte ist für ihre Anhänger, was in diesen Jahren begann: die Art, wie sie Menschen begegnete, ohne Unterschied nach Kaste, Religion oder Stand. Diese Haltung beschreibt das Kapitel Ihre Lehre.

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