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Anandamayi Maআনন্দময়ী মা

Bhakti: der Weg der Hingabe

Aktualisiert am · Lesezeit etwa 3 Minuten

Bhakti ist Liebe zum Göttlichen, gelebt in Gebet, Gesang und Verehrung. Anandamayi Ma kam aus einer der lebendigsten Bhakti-Landschaften Indiens. Gleichzeitig ließ sie sich keiner Schule zuordnen, auch nicht dieser.

Was Bhakti bedeutet

Das Sanskrit-Wort bhakti bedeutet Teilhabe, Zuneigung, Hingabe. In der indischen Tradition bezeichnet es einen der großen Wege zum Göttlichen, neben dem Weg der Erkenntnis (jñāna) und dem Weg des selbstlosen Handelns (karma). Die Bhagavad Gita stellt diese Wege nebeneinander, und viele spätere Lehrer haben sie verbunden.

Bhakti heißt, Gott nicht als abstraktes Prinzip, sondern als Gegenüber zu lieben: als Kind, als Freund, als Eltern, als Geliebten. Die Formen sind vielfältig: Lieder, Gebete, Opfergaben von Blumen und Licht, Pilgerfahrten, Feste, das stille Denken an den Namen.

Girlanden aus Ringelblumen gehören in Indien zu fast jeder Andacht und jedem Fest.
Girlanden aus Ringelblumen gehören in Indien zu fast jeder Andacht und jedem Fest.
Foto: SnapMeUp · CC BY 4.0 · Wikimedia Commons

Die bengalische Tradition

In Bengalen hat Bhakti eine besondere Prägung. Seit dem 16. Jahrhundert wirkt dort die Bewegung des Heiligen Chaitanya, die Krishna als Ziel aller Liebe verehrt und den Gesang seiner Namen in den Mittelpunkt stellt. Daneben steht die ebenso starke Verehrung der Göttin, vor allem als Kali und Durga, deren Feste das bengalische Jahr prägen.

Anandamayi Mas Familie gehörte zur Vaishnava-Richtung, also zu den Verehrern Vishnus und Krishnas. Als Kind und junge Frau wiederholte sie, unbemerkt von ihrer Umgebung, den Namen Krishnas. Später ließ sie in Dhaka einen verlassenen Kali-Tempel wiederbeleben, und ihr erster Ashram entstand auf dem Gelände eines Kali-Tempels. Beide Strömungen fanden in ihr zusammen.

Bhava: Zustände der Gottesliebe

In der bengalischen Bhakti spielt der Begriff bhāva eine große Rolle. Er bezeichnet einen inneren Zustand der Gottesliebe, der sich auch körperlich zeigen kann: Tränen, Zittern, Erstarren, Verlust des Bewusstseins für die Umgebung. Bei Anandamayi Ma traten solche Zustände in jungen Jahren beim Kirtan immer wieder auf.

Wichtig ist, wie sie selbst später darüber sprach. Sie sah in diesen Zuständen keine Auszeichnung und warnte davor, ihnen nachzujagen. Man kann sich das wie Landschaften vorstellen, die man auf einer Reise durchquert: Sie gehören zum Weg, sind aber nicht das Ziel.

Ma als Gegenstand der Verehrung

Viele Anhänger verehrten Anandamayi Ma selbst als Erscheinung des Göttlichen, manche ausdrücklich als Göttin, als Durga oder Kali. In ihren Ashrams wird sie heute in Bildern und am Schrein in Kankhal verehrt. Sie selbst wies solche Zuschreibungen weder zurück noch bestätigte sie sie. Die Berichte ihrer Besucher zeigen eher, dass jeder in ihr fand, was er suchte: Wer sie als Mutter sah, fand eine Mutter, wer eine Lehrerin suchte, fand Rat.

Für Außenstehende ist das schwer einzuordnen. Hilfreich ist ein Gedanke aus der Bhakti-Tradition selbst: Das Göttliche nimmt die Form an, in der der Verehrende es lieben kann. Die Verehrung einer heiligen Person ist in diesem Verständnis kein Personenkult, sondern ein Weg, durch diese Person hindurch auf das Göttliche zu blicken.

Hingabe im Alltag

Bhakti bedeutet nicht, den ganzen Tag zu singen. Anandamayi Ma riet, alltägliche Arbeit als Opfer zu verstehen. Wer kocht, kocht für Gott. Wer putzt, reinigt Gottes Haus. Wer einem Kranken hilft, dient Gott in diesem Menschen. Diese Haltung verbindet Bhakti mit dem Weg des Handelns und macht sie auch für Menschen mit Familie und Beruf lebbar.

Praktisch heißt das:

  • den Tag mit einer kurzen Hinwendung beginnen und beenden,
  • ein Bild oder Symbol an einem ruhigen Ort, vor dem man sich sammelt,
  • den Gottesnamen als Begleiter durch den Tag, wie im Kapitel Sadhana beschrieben,
  • Dankbarkeit für das, was kommt, auch für Schweres.

Grenzen und Missverständnisse

Hingabe wird manchmal mit Unterwürfigkeit verwechselt oder mit Gefühlsseligkeit. Beides meinte Anandamayi Ma nicht. Sie verlangte Ernst und Ausdauer. Gefühle gehören zur Hingabe, aber sie kommen und gehen; die Hinwendung soll auch dann bleiben, wenn nichts zu spüren ist. Das entspricht ihrem Rat, die tägliche Übung unabhängig von Stimmungen beizubehalten.

Wer die Grundgedanken dahinter nachlesen möchte, findet sie im Kapitel Ihre Lehre. Die wichtigsten Begriffe aus diesem Kapitel, von bhāva bis prasād, erklärt das letzte Kapitel, Begriffe von A bis Z.

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